PÖHLEN I PFEIFEN I PADERSTADT

PÖHLEN I PFEIFEN I PADERSTADT

„Pöhlen I Pfeifen I Paderstadt“ – Unter diesem Motto veranstaltete das Fanprojekt Paderborn am 12.10.2021, im Rahmen der Fussballkulturtage NRW und in Kooperation mit dem SC Paderborn 07 und dem Stadt- und Kreisarchiv Paderborn, ein Talk-Abend mit Rainer Waltert.

Gemeinsam mit Wilhelm Grabe vom Stadt- und Kreisarchiv Paderborn und Rainer Waltert, Paderborns ehemaligem Bundesligaschiedsrichter, wurde das Publikum im vollbesetzten VIP-Raum der Benteler-Arena auf eine kurzweilige Zeitreise mitgenommen. Herr Waltert erzählte von seiner Kindheit in Paderborn, wie er den Krieg und die Nachkriegszeit erlebte und wieso er bis heute keine Blutwurst mehr isst. Fotos und Videos begleiteten seine zum Teil sehr ergreifenden Erzählungen zur Stadtgeschichte Paderborns: der Zerstörung im zweiten Weltkrieg, dem Wiederaufbau (vor allem auch der Sportstätten der Stadt) und dem wirtschaftlichen Aufschwung.

Walterts sportliche Karriere begann in der Jugend des VfJ 08, einem Vorgängerverein des heutigen SC Paderborn 07. Aufgrund häufiger Verletzungen stellte ihn sein Chef im Jahr 1957 vor die Wahl: Entweder Fußball oder Arbeit. Gleichzeitig suchte der VfJ 08 nach Schiedsrichtern, weshalb er sich für die Schiedsrichter-Karriere entschied. So wurde Waltert bereits mit 17 Jahren Pfeifenmann und stieg im Laufe der Jahre immer weiter auf, bis er 1972 schließlich Bundesligaschiedsrichter wurde.

Während seiner Schiedsrichterkarriere fand er sogar noch die Zeit, eine Ingenieurslehre zu absolvieren, um dann in den Architekturbetrieb seines Vaters in Paderborn einzusteigen. Rückblickend betrachtet war der väterliche Betrieb für ihn auch ein Grund, warum er seinem „Hobby“ so lange nachgehen konnte. Von den 25 Mark, die er damals für einen Bundesliga-Einsatz erhielt, hätte er nicht über die Runden kommen können, verrät er schmunzelnd.

In seinem Rückblick auf seine insgesamt 16-jährige Zeit in der 1. und 2. Bundesliga, erzählt Herr Waltert einige Anekdoten, immerhin stand er mit großen Namen, wie Sepp Maier, Paul Breitner, Wolfgang Overath, Uwe Seeler auf dem Platz. Beispielsweise stichelte Breitner in einem Spiel gegen den jungen Schiedsrichter, als er ihm zuflüsterte, er traue sich nicht, ihm in München eine gelbe Karte zu geben. Doch auf solche Spielchen ließ sich Waltert nicht ein.

An einen Fehler, der ihm in der Bundesliga unterlaufen ist, erinnert er sich mit einem Grinsen im Gesicht. In einem Spiel vom Karlsruher SC foulte Winny Schäfer in der 1. Halbzeit als Abwehrspieler und bekam dafür Gelb. In der 2. Halbzeit spielte dieser dann im Sturm und foulte wieder, was ihm erneut die gelbe Karte bescherte. Erst als er von seinen Kollegen darauf aufmerksam gemacht wurde, nahm Waltert die 2. Gelbe Karte zurück und zeigte Rot.

Doch es gibt auch stille Momente im Gespräch mit dem Paderborner Fanprojekt. Als Waltert vom Tod eines Schiri-Kollegen erzählte, der bei einem Leistungstest zusammenbrach, war die Betroffenheit in den Zuschauerreihen nicht zu übersehen. Deutlich wurde hier nämlich auch, welche Leistungen damals schon von Schiedsrichtern erwartet wurden.

Auch einige im Nachhinein historische Spiele durfte der heute 81-jährige Waltert pfeifen. Darunter die Eröffnung des Westfalenstadions 1974 in Dortmund und das Meisterschaftsfinale 1979 zwischen dem Hamburger SV und dem FC Bayern. Dieses Spiel pfiff er aufgrund eines Platzsturms bereits 3 Minuten zu früh ab, um weitere Verletzte zu verhindern.

Waltert kann ebenso auf einige internationale Einsätze zurückblicken und berichtete von der Reise zu einem UEFA Cup Spiel zwischen Tiflis und West Ham United in der ehemaligen UdSSR, inklusive einem Besuch der deutschen Botschaft in Russland.

Abschließend gab es noch einen Videogruß vom Fernsehmoderator Arnd Zeigler, der sich gerne daran zurückerinnerte, dass Rainer Waltert Schiedsrichter seiner ersten Bundesliga Partie war, die er live im Stadion erleben durfte. Angekommen im hier und jetzt erfuhren die Zuschauer*innen zum Abschluss des Abends, dass Waltert noch heute glühender Fan des Fußballs ist und die Heimspiele des SC Paderborn 07 weiterhin besucht.

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